Katholische Kirchengemeinde
St. Hadrian und Dionysius, Lamspringe
bildet eine Seelsorgeeinheit mit: St. Maria Himmelfahrt, Bad Gandersheim (mit St. Josef in Kreiensen)
|
|
|||||
|
Adresse der Kirche: |
|
Lamspringe |
|||
| Regelmäßige Gottesdienste: |
|
||||
|
|
|||||
| Pfarrer: |
Thomas Pabst; Stiftsfreiheit 7; 37581 Bad Gandersheim
Tel: (05382) 2603; Fax: (05382) 790 137 eMail: pfarrer.pabst@kathkirchegan.de
|
||||
|
|
|||||
| Adresse: |
Kirchweg 2; 31195 Lamspringe
Tel: (05183) 385; Fax: (05183) 5011 962 eMail: pfarrbuero@kath-gemeinde-lamspringe.de |
||||
| Sekretärin: | Frau Hoffmann | ||||
|
Öffnungszeiten (bis 30.Juni 2010): |
|
||||
|
Öffnungszeiten (ab 01.Juli 2010): |
|
||||
St. Hadrian und Dionysius, Lamspringe
Mitte des 9. Jahrhunderts wurde in unmittelbarer Nähe zur Lammequelle im Flenithigau
durch Graf Ricdag und seine Frau Imhild ein Kanonissenstift gegründet. Sie erhielten bei
der Gründung des Stiftes wahrscheinlich die Unterstützung Bischof Altfrieds (851-874)
von Hildesheim. Das Stift wurde unter den Schutz des Hl. Märtyrers Hadrian gestellt, dem
mit der Gottesmutter die Stiftskirche durch Bischof Altfried geweiht wurde. Später kam
das Patrozinium des Hl. Dionysius hinzu. Als erste Äbtissin wird Ricburga, die Tochter
des Grafen, genannt. 1138 bestätigte Papst Innozenz II. (1130-1143) die Einführung der
Regel des Hl. Benedikt in Lamspringe. Die beiden Schutz- und Bestätigungsurkunden des
Stiftes durch Bischof Altfried 872 und Ludwig den Deutschen (804-876) im Jahr 873 sind
vermutlich Fälschungen. Auch der Zusammenhang zwischen der sog. Hohenschanze
(der fränkischen Burg) bei Winzenburg und der Gründung des Stiftes ist unsicher.
Die Siedlung Lamspringe bestand wahrscheinlich bereits vor der Stiftsgründung, da sie am
Pass der Heeresstraße (Mittelmeer - Nordsee) lag. Der Ausbau der Siedlung setzte jedoch
erst nach der Gründung des Stiftes ein. Denn erst durch die Niederlassung von
Tagelöhnern und Klosterdienern sowie durch den Zuzug von Siedlern aus den umliegenden
Ortschaften, die Schutz in der Nähe des Stiftes suchten, hatte sich die Siedlung
entwickeln können.
Während des Mittelalters hatte sich der Besitz des Klosters in der Umgebung von
Lamspringe, im Calenberger und im Schaumburger Raum durch Schenkungen erheblich
vergrößert. Die wirtschaftliche Förderung des Klosters geht besonders auf die
Provisoren und Pröpste zurück, die sich während des 12. Jahrhunderts sogar der
Gerichtsbarkeit des Archidiakonates Bockenem entziehen und einen selbständigen Bann
mit Unterstützung des Bischofs aufbauen konnten. Die Klosterkirche St. Hadrian war Ende
des 12. Jahrhunderts (1178) somit auch Haupt- und Taufkirche des gleichnamigen Bannes,
wobei das Kloster die Patronatsrechte über die Gotteshäuser in Illede, Graste und
Rolveshagen besaß.
Im Amt Winzenburg gelangte das Kloster Lamspringe nach der Hildesheimer Stiftsfehde
(1519-1523) an das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. Dort waren zunächst die kath.
Religionsverhältnisse durch Herzog Heinrich d. J. gesichert worden. Nach der Vertreibung
des Herzogs im Jahre 1542 durch den Schmalkaldischen Bund wurde eine Kirchenvisitation auf
Initiative der ev. Bundesgenossen durchgeführt. Der Visitation trat besonders die Priorin
des Klosters, Gesa von Steinberg, entgegen, die sich auf die Unterstützung des
stiftshildesheimischen kath. Adels berufen konnte. Neben dem Einsatz eines luth.
Prädikanten verlangten die Visitatoren auch die Aufgabe des kath. Kultus im Kloster.
Diese Maßgaben wurden nach der Rückkehr des kath. Herzogs 1547 in sein Land aufgehalten
und zurückgedrängt. Erst nachdem Herzog Julius II., ein überzeugter Lutheraner, die
Regierung übernommen hatte, mussten im Jahre 1568 die Nonnen das Benediktinerinnenkloster
endgültig verlassen. Sodann wurde 1568 der Versuch unternommen, das Kloster Lamspringe in
ein ev. Damenstift umzuwandeln.
Auf der Grundlage des kaiserlichen Restitutionsediktes von 1629 erfolgte jedoch im Jahre
1643 auch die Rückgabe des Klosters an den Hildesheimer Bischof; das leerstehende Kloster
wurde mit englischen Benediktinermönchen besetzt. Dies war u. a. durch
die Bursfelder Kongregation möglich geworden; denn infolge der Zwangspolitik des
englischen Königs Heinrich VIII. (1491-1547) gegen die kath. Kirche hatten die
Ordensbrüder 1628 ihr Land verlassen müssen.
Das baufällig gewordene Kloster wurde in den Jahren 1670-1691 neu erbaut. Wie andere
Feldklöster im Bistum wurde es bald Missionszentrale für die umliegenden
Ortschaften.
Durch die Freundschaft des Lamspringer Abtes Maurus Corker zu Oliver Plunkett
waren die sterblichen Überreste des 1681 in London hingerichteten Primas von Irland und
Bischof von Armagh in der Klosterkirche 1683 beigesetzt worden. Während 1883 seine
Gebeine zum größten Teil nach England zurückgebracht wurden, verblieb ein kleiner Teil
in Lamspringe. Bereits vor seiner Seligsprechung 1920 und Heiligsprechung 1975 wurde St.
Oliver dort sehr verehrt.
Mit den englischen Benediktinermönchen hatte im 17. Jahrhundert eine Renaissance
der seelsorglichen und wirtschaftlichen Blütezeit des Klosters Lamspringe begonnen, von
der auch der Flecken profitierte. Im Jahr 1689 bestätigte Fürstbischof Jobst Edmund von
Brabeck (1688-1702) die alten und neuen Fleckenprivilegien von Lamspringe (freie Schenke,
Braurecht, Fischereirecht und zweimal jährlich Jahrmarkt). Im Verlauf der kath. Reform
konnte die Gemeinde nicht vollständig rekatholisiert werden.
Im Jahr 1803 wurde durch den Reichsdeputationshauptschluß das Benediktinerkloster in
Lamspringe säkularisiert; der Orden musste das Kloster räumen, die Gebäude und
Liegenschaften wurden Eigentum des Staates. Die Verwaltung der Klostergüter übernahm die
Klosterkammer in Hannover. Auch die St. Hadrianskirche wurde Eigentum des Staates,
wenngleich sie den Katholiken als Pfarrkirche zur Verfügung gestellt wurde. Die
Säkularisation hatte in Lamspringe nicht zur Aufhebung der Pfarrei geführt, dort
übernahm vielmehr im Jahr 1827 ein Weltgeistlicher die Pfarrleitung. Mit der
Säkularisation war jedoch der Zirkel Lamspringe aufgehoben worden, so dass St. Hadrian
1838 dem Dekanat Winzenburg und 1895 dem Dekanat Detfurth angeschlossen wurde. Seit 1958
gehörte die Pfarrei zum Dekanat Alfeld-Gronau. Nach der Zusammenlegung der Dekanate
Alfeld-Gronau und Bockenem-Detfurth im Dezember 2002 gehört die Pfarrei nun zum neu
errichteten Dekanat Alfeld-Detfurth.
Im 18.-19. Jahrhundert gab es in Lamspringe neben der Glashütte Brauereien, die
Holzwirtschaft im ehemaligen Klosterforst, Flachsspinnereien und Leinewebereien. Die
Industrialisierung in diesen Manufakturbereichen führte auch hier zu einem erheblichen
Bevölkerungszuwachs. Nach Lamspringe waren besonders Tagelöhner hinzugezogen. Auch die
kath. Gemeinde wuchs daher an. Im Jahre 1854 wurde die Anstellung einer zweiten Lehrkraft
für die kath. Bekenntnisschule notwendig, 1858 musste ein neues Friedhofsgelände
erschlossen werden. Die caritativen Hilfsleistungen in der Krankenpflege hatte ab 1920 der
Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul übernommen. Durch den Kauf des
späteren St. Oliver-Hauses hatten die Schwestern ab 1927 eine Pflegestation
in Lamspringe einrichten können.
Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933
kam es auch in Lamspringe häufig zu Konfrontationen der Pfarrei mit den staatlichen
Behörden, die letztlich im Jahre 1938 die kath. Bekenntnisschule auflösten.
Nach Kriegsende ließen sich viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge in Lamspringe
nieder; es waren hauptsächlich evangelische Christen. Da nach Kriegsende die Gründung
von Industrieunternehmen ausblieb, wanderten zahlreiche junge Familien in die
Industriestädte Hannover, Hildesheim und Alfeld ab. Für die in Lamspringe verbleibenden
Gemeindemitglieder war erst nach dem Ausbau des Schienen- und Straßennetzes ein
intensiver Pendlerverkehr in die benachbarten Städte und Gemeinden möglich. Die
Wirtschaftsförderung ist für die Samtgemeinde mit ihrer Randlage zu den Einzugsgebieten
Hannover, Hildesheim und Alfeld ein Problembereich. Da die Neuansiedlung von Betrieben
ausbleibt, ist das Arbeitsplatzangebot auf die ortsansässigen mittelständischen Betriebe
beschränkt. Die Samtgemeinde Lamspringe sieht ihre Möglichkeit zur Weiterentwicklung
neben dem Kurbetrieb im Kultur- und Wohnbereich. Die Pfarrgemeinde St. Hadrian umfasst
außer den Orten der Samtgemeinde noch drei Dörfer der Nachbargemeinden Bad Gandersheim
und Bockenem. Die 1950 wieder eingerichtete Kaplansstelle konnte ab 1961 nicht besetzt
werden. Die Pfarrkirche wird der Gemeinde von der Klosterkammer Hannover zur Verfügung
gestellt, die auch die Baulast trägt.