Katholische Kirchengemeinde
St. Maria Himmelfahrt, Bad Gandersheim
mit St. Hadrian und Dionysius, Lamspringe und
St. Josef in Kreiensen
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Adressen der Kirchen: |
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Bad Gandersheim
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| Regelmäßige Gottesdienste: |
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| Pfarrer: |
Thomas Pabst; Stiftsfreiheit 7; 37581 Bad Gandersheim
Tel: (05382) 2603; Fax: (05382) 790 137 eMail: pfarrer.pabst@kathkirchegan.de
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Pastoralreferent:
(Klinikseelsorge) |
Stefan Manzeck; Heber 6; 37581 Bad Gandersheim
Tel: (05382) 939 -165 eMail: s.manzeck@gmx.de |
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| Adresse: |
Stiftsfreiheit 7; 37581 Bad Gandersheim
Tel: (05382) 2603; Fax: (05382) 790 137 eMail: pfarrbuero@kathkirchegan.de |
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| Sekretärin: | Frau Hoffmann | ||||||||||
| Öffnungszeiten: |
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| Adresse: |
Kirchweg 2; 31195 Lamspringe
Tel: (05183) 385; Fax: (05183) 5011 962 eMail: pfarrbuero@kath-gemeinde-lamspringe.de |
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| Sekretärin: | Frau Hoffmann | ||||||||||
| Öffnungszeiten: |
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St. Maria Himmelfahrt, Bad Gandersheim
Die Entwicklung von Bad Gandersheim steht im Zusammenhang mit der Gründung des dortigen
Reichsstiftes 852 an einem bereits bestehenden Marktplatz und einer Kaufmannssiedlung -
dem "Wick". Das Kanonissenstift wurde durch Herzog Lodolf und seine Frau Oda
gegründet, da im 9. Jahrhundert die dynastischen Einflussmöglichkeiten der
späteren Königsfamilie der Ludolfinger auf das Benediktinerkloster in Fulda geringer
wurden. Die Gründung wurde von Papst Agapitus II. (946-955) als freiweltliches
Familienstift bestätigt. Bis zu ihrer Übersiedlung 881 wohnten die Kanonissen in
Brunshausen. Das Stift wurde unter den Schutz der Hl. Päpste Anastasius und
Innozentius gestellt, deren Reliquien das Herzogpaar aus Rom überführen ließ. Die Weihe
der von ca. 881-883 erbauten Stiftskirche nahm Bischof Wigbert (880-903) von Hildesheim
vor. In diesem Zusammenhang war dort zunächst das Patrozinium St. Johannes Bapt. den
Patrozinien der Hl. Päpste Anastasius und Innozentius vorangestellt worden. Später wurde
das Johannespatrozinium durch die Patrozinien des Hl. Stephanus und der Gottesmutter
ergänzt. Das Hauptpatrozinium blieb jedoch Anastasius und Innozentius. Neben der
Förderung durch das königliche Paar trug auch ihr Verwandter, der Hildesheimer Bischof
Altfried (851-874), erheblich zur wirtschaftlichen Ausstattung des Gandersheimer Stiftes
bei. Während die heutige Basilika hauptsächlich aus dem 10. Jahrhundert stammt,
wird der Bau der St. Michaelskapelle in der Äbtissinnenkurie im 11. Jahrhundert
vermutet.
Das an der Grenze des Bistums Hildesheim gelegene Reichsstift im Archidiakonat
Detfurth unterstand zunächst der Diözesangewalt des Hildesheimer Bischofs. Die
natürlichen Grenzen zwischen den Bistümern Mainz und Hildesheim waren seit dem
10. Jh. umstritten. Die Äbtissin Sofia hatte sich unter den Schutz des Mainzer
Erzbischofs Willigis gestellt. Dieser beanspruchte die Diözesangewalt über das
Reichsstift für sich, obwohl Mainz und Hildesheim bisher gemeinsam über die das
Reichsstift betreffenden Angelegenheiten entschieden hatten. Deshalb sah sich Bischof
Bernward (993-1022) im Jahre 1000 gezwungen, einen päpstlichen Schiedsspruch anzufordern.
Papst Sylvester II. (999-1003) hatte zunächst zugunsten der Jurisdiktionsrechte des
Bistums Hildesheim entschieden, wenngleich die Diözesangewalt der beiden Bistümer über
Gandersheim wieterhin strittig blieb. Erst im Jahr 1206 wurde dieser Streit durch ein
Exemptionsprivileg Papst Innozenz III. (1198-1216) endgültig beigelegt.
Das Markprivileg erhielt Gandersheim im Jahr 990 von Kaiserin Theophanu. Nachdem die
ursprüngliche Marktsiedlung wüst geworden war, entstand in unmittelbarer Nähe zur
Stiftsfreiheit eine Neusiedlung. Die Stiftsfreiheit und die Marktsiedlung bildeten somit
den befestigten Altstadtkern. Außerhalb des Altstadtbereiches entwickelte sich um die
Burg das sog. Neudorf, der kleine Steinweg und die Marienvorstadt. Die Entstehung der
Marienvorstadt geht auf das im 10. Jh. gegründete Kanonissenstift St. Maria zurück. Die
Pfarrkirche St. Georg befand sich nun außerhalb der Stadtmauern. Äbtissin
Mechthild I. von Wohldenberg nahm im Jahr 1196 eine Umschreibung der Pfarrsprengel
von St. Anastasius und St. Georg vor. Der jeweilige Pfarrsprengel wurde darin
nicht durch lokale Grenzen, sondern durch Personenverbände festgelegt. Die Stiftsleute
und die dem Stift im weitesten Sinne angehörigen Handwerker waren St. Anastasius
zugeordnet. Die Pfarrstelle St. Georg, dessen Patronat dem Stift zustand, wurde
häufig mit Kanonikern des Münsters besetzt. Im Jahr 1462 wurde St. Georg dem Stift
inkorporiert. Die gesamten Pfarrrechte von St. Georg gingen jedoch erst 1570-1572 auf
St. Anastasius über. Die Jahre 1159 "civitas" genannte Stadt erhielt eine
Marktkirche in ihrem Zentrum. Im Jahr 1383 wird St. Mauritius als Kirche des Rates
nachweisbar. Über eigene Pfarrrechte hat St. Mauritius nicht verfügt, sie wird
vielmehr als "Filialkirche" von St. Georg betrachtet.
Stadt- und Marktherr von Gandersheim war bis zur 2. Hälfte des 12. Jh. das
Reichsstift. Dann jedoch gelangten die Welfenherzöge der Göttinger Linie zunächst an
die Vogtei. Da sie seit 1360 sogar vom Reichsstift mit der Stadt belehnt wurden, kamen sie
langfristig in den Besitz der Stadthoheit. Während die Herzöge die hohe und niedrige
Gerichtsbarkeit der Äbtissin als eigentlicher Lehensträgerin einschränkten, hatten sie
an der Peripherie der Stadt eine Burg erbaut, die sie von einem herzoglichen Beamten
verwalten ließen. Damit war das Stiftsterritorium zu einem herzoglichen Amt umgewandelt
worden. Herzog Heinrich d.Ä., der ursprünglich den Ausbau von Gandersheim zur
Residenz geplant hatte, gründete im Jahre 1510 ein Kloster der
Franziskanerobservanten III. (Barfüßer). Der Stiftungseifer im Hohen MA und in der
vorreformatorischen Zeit bracht mehrere Kapellenbauten mit sich, so in Gandersheim die
St. Maria, St. Andreas, St. Johannes Bapt.-, St. Petrus und Paulus-, St. Simon
und Jodas- sowie St. Thomaskapelle.
Auf die Heilswirkung der örtlichen Quellen hatte bereits die als erste deutsche
Dichterin bezeichnete Kanonissin Roswitha von Gandersheim in ihrer Legende
"Gongolf" hingewiesen.
Die Reformen der Bursfelder Kongregation hatten im Marienstift kaum Erfolg gezeigt.
Daher wurde am Vorabend der Reformation das Stift ab 1482 mit Benediktinerinnen aus
Lamspringe besetzt.
Der politische und kirchliche Status des Stiftes mit seiner Reichsunmittelbarkeit und
mit dem päpstlichen Privileg der Exemtion machten es von der Territorialgewalt der
Braunschweiger Herzöge und von der Diözesangewalt des Hildesheimer Bischofs unabhängig.
Während das Stiftsterritorium jedoch zum herzoglichen Amt umgewandelt wurde, blieb es
kirchlich als Patronatsinhaber von St. Georg und dem Marienkloster vom Bistum Hildesheim
unabhängig.
Nach der Vertreibung des kath. Herzogs Heinrich d.J. von Braunschweig 1542 durch den
Schmalkaldischen Bund wurde im selben Jahr durch die Visitationskommission der
Bundesgenossen der Versuch zur Einführung der Reformation in das Reichsstift, in das
Braunschweiger Amt und die Stadt Gandersheim unternommen. Bei der Verletzung der
Reichsunmittelbarkeit durch die ev. Visitatoren konnte das Stift nicht auf eine stärkende
Diözesangewalt zurückgreifen. Der Einsatz dreier ev. Prädikanten am Münster führte
jedoch nicht zur erhofften Reformation; der Rat war zwar aus politischen und
wirtschaftlichen Gründen zum ev. Glauben konvertiert, die Religionszugehörigkeit des
Stiftes blieb jedoch zunächst ungeklärt. So wurden z.B. im Chor des Münstern kath.
Heilige Messen gefeiert, während durch eine Mauer getrennt im sog. Langhaus ev.
Gottesdienste stattfanden.
Die katholischen Reformen des nach 1547 zurückgekehrten Herzogs Heinrich d.J.
wurden nach dessen Tod durch seinen Sohn, den überzeugten Lutheraner Herzog
Julius II., ab 1568 rückgängig gemacht. Bereits 1569 hatte Herzog Julius die
Aufhebung des Reichsstiftes zugunsten eines Pädagogiums in Gandersheim angestrebt; dies
scheiterte jedoch. Das Pädagogium konnte erst durch die Aufhebung des
Franziskanerklosters eingerichtet werden. Die Lehranstalt wurde bereits in den Jahren
1570-1571 nach Helmstedt verlegt. Die sich wiederholenden Eingriffe des Herzogs in
Angelegenheiten des Reichsstiftes stießen sogar beim Generalsuperintendenten Hamelmann in
Gandersheim auf heftige Kritik. Die kaiserliche Position wurde in einem Schutzbrief von
1571 deutlich, in dem Maximilian II. (1527-1576) jeden Eingriff in das Reichsstift
untersagte.
Neben der St. Georgskirche, die ausschließlich für den ev. Gottesdienst zur Verfügung
stand, wurden im Münster weiterhin kath. Messen und ev. Gottesdienste gefeiert. Die
Marktkirche St. Moritz war 1580 durch einen Brand vernichtet worden. Da die
Möglichkeit zur Feier des ev. Gottesdienstes im Münster weiterhin bestand, war ein
Wiederaufbau nicht nötig, so dass an ihrer Stelle ein Rathaus erbaut werden konnte.
Während einer Auseinandersetzung des Reichsstiftes mit Herzog Julius II. hatte das
Stift nicht nur seine Eigenklöster Brunshausen und Clus an ihn verloren, sondern auch das
Patronat über St. Georg. In dieser geschwächten Position stellte es sich 1593 unter
den Schutz der Braunschweiger Herzöge und galt als freiweltliches kaiserliches ev.
Reichsstift. Bis 1803 bestand ein ev. Damenstift.
Anfang des 18. Jh. ließen sich bedingt durch das Handwerk und die Manufakturen
(Brauereien, Tuch-, Garnherstellung, Essigmanufaktur, Seidenbau und das Salzhandwerk)
wieder kath. Christen in Gandersheim nieder. An die Ausübung des kath. Kultus war jedoch
auch nach der Konversion Herzog Anton Ulrichs 1710 und seiner Enkeltochter Elisabeth
Christine im Herzogtum zunächst nicht zu denken, da im Jahre 1709 die Religionsassekuranz
des luth. Bekenntnisses staatlich bestätigt worden war. Im Zuge der Aufklärung wurde
letztlich 1832 für die ev. Kirche Braunschweigs eine neue Landschaftsordnung erlassen,
die neben der Religionsfreiheit und Rechtsgleichheit der anerkannten Kirchen auch ihre
Selbständigkeit gegenüber der Staatsgewalt vorsah. Zwei Jahre später wurde
- 1834 - durch das Unionsdekret das Gebiet des Herzogstumes Braunschweig, und
damit auch Bad Gandersheim, wieder seelsorglich dem Bistum Hildesheim zugeordnet. Um die
Jahrhundertwende waren lediglich 60 Bürger der Stadt kath. Christen, deren Anzahl bis
1905 auf 36 Katholiken sank. Der Eisenbahnanschluss des Jahres 1856, die Inbetriebnahme
einer Zuckerfabrik 1873 und die Aufnahme des Solebades 1878 hatten also nicht zu einer
Steigerung der Katholikenzahlen vor Ort geführt.
Das Bistum Hildesheim konnte im Braunschweiger Kreis Gandersheim nur schwer eine
Pfarrorganisation aufbauen. Die Gesetzte der Jahre 1867-1902 hatten die verfassungsmäßig
garantierten Rechte der kath. Kirche erheblich eingeschränkt. So waren die Neugründungen
von kath. Gemeinden und die Zulassungen von kath. Priestern von der Genehmigung der
Regierung abhängig. Im gesamten Kreis gab es noch 1905 keine Seelsorgestation. Die
Seelsorge im Dekanat Nörten hatte für Gandersheim 1909 der Pastor aus Einbeck
übernommen. Dabei war die Zulassung der Priester durch die Braunschweiger Regierung
personenbezogen, d.h. der Amtsnachfolger in Einbeck musste erneut ein Gesuch zur Betreuung
der kath. Christen an die Regierung richten. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918)
war ab 1920 für die Katholiken von Gandersheim und Umgebung, die bis dahin auf die
Pfarrkirche von Lamspringe angewiesen waren, periodischer Gottesdienst eingerichtet
worden. Als Gottesdienstraum diente ein Gartenhaus, in dem seit 1924 Sonntagsgottesdienst
gefeiert wurde. Seit 1934 baute Pastor Felix Hardt von Söder aus (damals Kr.
Hildesheim-Marienburg) die Gemeinde systematisch auf. Im Jahr 1944 erfolgte die Errichtung
eines selbständigen Seelsorgebezirkes sowie die endgültige Übersiedlung des Seelsorgers
von Söder nach Gandersheim.
Während sich nach 1945 die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge vor allem im Zentrum
von Bad Gandersheim niederließen, zogen einige Familien in die umliegenden Landgemeinden.
Im Jahre 1948 sind für die Stadt mit den 30 umliegenden Gemeinden 4000 kath. Christen in
der Pfarrvikarie statistisch erfasst. Die Notkapelle war trotz Erweiterung nicht mehr
ausreichend, deshalb fand der Gottesdienst vorübergehend im Kaisersaal und im
Lichtspieltheater statt. Innerhalb des Dekanates Braunschweig wurde ihnen später die
ehemalige Kapelle in der Äbtissinnenkurie St. Michael, im heutigen Rathaus, für den
Gottesdienst zur Verfügung gestellt. Im Jahre 1949 wurde sie als Gnadenkapelle der
Muttergottes geweiht. Ihren Namen St. Anastasius und St. Innozentius hatte die
Pfarrvikarie in Erinnerung an das Patrozinium der Hl. Päpste von der
Klosterkathedrale übernommen.
Die Entwicklung von Bad Gandersheim als Wirtschaftsstandort mit der Glasindustrie und
der Aufnahme des Kurbetriebes zog viele Flüchtlingsfamilien an, die in der Stadt einen
Arbeitsplatz fanden. Obwohl Ende der 50er Jahre erst rückläufige Katholikenzahlen zu
beobachten waren, hatte sich zunächst mit rund 2500 Gemeindemitgliedern die Entwicklung
der Pfarrvikarie stabilisiert. Nachdem im Jahre 1952-1953 die kath. Kirche St. Maria
Himmelfahrt auf einem Teil des Domänenhofes in zentraler Ortslage erbaut werden konnte,
erhob Bischof Heinrich Maria Janssen (1957-1982) 1957 die Vikarie zur Kirchengemeinde St.
Maria Himmelfahrt. Das Patrozinium des ehemaligen Marienklosters und das Dogma von der
leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel 1950 waren wahrscheinlich Voraussetzung für die
Wahl der Schutzpatronin. Wegen der wachsenden Bedeutung der kath. Gemeinde in der
damaligen Kreisstadt erhob Bischof Heinrich Maria die Kirchengemeinde 1961 zur Pfarrei.
Die "Tochtergemeinde" Delligsen wurde 1959 von St. Maria abgetrennt und verselbständigt.
Die Filialkirche St. Joseph in Kreiensen konnte 1967 erbaut werden.
Die Pfarrei, die seit 1958 dem Dekanat Alfeld-Gronau angehörte, umfasst die Stadt Bad
Gandersheim mit 38 Landgemeinden. Das Zentrum von St. Maria liegt im Stadtbereich von
Bad Gandersheim. In den Landgemeinden ist mit Ausnahme der Filialkirche Kreiensen der
prozentuale Anteil der Katholiken eher gering.
Die kirchengeschichtlich bedeutenden Orte Brunshausen und Clus werden ebenfalls von St.Maria betreut.
Seit der Zusammenlegung des bisherigen Dekanates Alfeld-Gronau mit dem Stiftsdekanat
Bockenem-Detfurth im Dezember 2002 gehört die Gemeinde St. Maria dem neugegründeten
Dekanat Alfeld-Detfurth an.
St. Joseph in Kreiensen
Die Siedlung Kreiensen gehörte bis zur Reformation in das Erzbistum Mainz. Im
Archidakonat Nörten an der Diözesangrenze zum Bistum Hildesheim war die Haupt- und
Taufkirche St. Martinus in Greene kirchlicher Mittelpunkt. Kreiensen war im MA keine
selbständige Pfarrei. Vielmehr war der Ort bis Anfang des 16. Jh. an St. Martin als
"Ecclesia archipastoralis" gebunden. Das Patronatsrecht der Kirche in Greene
stand dem Herzog zu. Die Versorgung Kreiensens übernahmen die Priester an
St. Martin, die im 13. Jh. schriftlich greifbar werden. Im "corpus
bonorum" von Greene wird im 18. Jh. auf die Baufälligkeit der sich im Mittelpunkt
der Siedlung Kreiensen befindlichen Kapelle hingewiesen.
Politisch gehörte Kreiensen in das Braunschweiger Amt Gandersheim. Die Zugehörigkeit
des Amtes zum Herzogtum Braunschweig war die Voraussetzung zur Einführung der Reformation
durch Herzog Julius II. im Jahr 1568. Der Aufbau eines landesherrlichen ev.
Kirchenregimentes führte hier zur Ablösung der Mainzer Diözesangewalt. Die ev.
Landeskirche erhielt den Charakter einer ev. "Staatskirche" im Herzogtum
Braunschweig. Im Jahre 1834 wurde Braunschweig durch das Unionsdekret seelsorglich dem
Bistum Hildesheim angeschlossen. Die Katholikengesetze von 1867-1902 schränkten jedoch
den Handlungsspielraum zum Aufbau von kath. Pfarreien dort erheblich ein. Im Amt bzw.
Kreis Gandersheim bestand Anfang des 20. Jh. keine kath. Seelsorgestation.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Gemeinde Kreiensen stieg mit der Anlage eines
Bahnknotenpunktes im Jahre 1854. Die seelsorgliche Betreuung übernahm ab 1908 aufgrund
der räumlichen Nähe der Pastor aus Einbeck. Die kath. Gemeinden in Bockenem, Alfeld und
Einbeck hatten die seelsorgliche Betreuung für den an ihre Gemeinden grenzenden Teil des
Kreises Gandersheim übernommen.
Durch den starken Zustrom der Heimatvertriebenen nach dem 2. Weltkrieg konnte in
Kreiensen zunächst im ev. Gotteshaus vom Pastor aus Bad Gandersheim regelmäßig kath.
Gottesdienst gefeiert werden. Ab 1955 wurde dort ein Raum einer ehemaligen
Tischlerwerkstatt für den kath. Gottesdienst eingerichtet. Da die wirtschaftliche Lage
der Gemeinde sich am Eisenbahnknotenpunkt günstig entwickelte, war langfristig gesehen
keine Abwanderung der kath. Flüchtlingsfamilien aus Kreiensen zu erwarten. Auch war das
"Seelsorgezentrum" St. Maria in Bad Gandersheim mit der Betreuung von 33
Landgemeinden überlastet. Mit dem Bau der Filialkirche St. Joseph in Kreiensen 1967
wurde St. Maria entlastet und die Entfernung der Katholiken aus den 12 um Kreiensen
liegenden Landgemeinden zum nächsten kath. Gotteshaus erheblich verringert worden. In der
Pfarrei St. Maria innerhalb des Dekanates Alfeld-Gronau erstreckt sich die
Zuständigkeit der Filiale St. Joseph seit 1974 auf die politische Einheitsgemeinde
Kreiensen und einige Ortsteile der Stadt Einbeck. Seit Dezember 2002 gehört
St. Joseph zum neugegründeten Dekanat Alfeld-Detfurth
St. Hadrian und Dionysius, Lamspringe
Mitte des 9. Jahrhunderts wurde in unmittelbarer Nähe zur Lammequelle im Flenithigau
durch Graf Ricdag und seine Frau Imhild ein Kanonissenstift gegründet. Sie erhielten bei
der Gründung des Stiftes wahrscheinlich die Unterstützung Bischof Altfrieds (851-874)
von Hildesheim. Das Stift wurde unter den Schutz des Hl. Märtyrers Hadrian gestellt, dem
mit der Gottesmutter die Stiftskirche durch Bischof Altfried geweiht wurde. Später kam
das Patrozinium des Hl. Dionysius hinzu. Als erste Äbtissin wird Ricburga, die Tochter
des Grafen, genannt. 1138 bestätigte Papst Innozenz II. (1130-1143) die Einführung der
Regel des Hl. Benedikt in Lamspringe. Die beiden Schutz- und Bestätigungsurkunden des
Stiftes durch Bischof Altfried 872 und Ludwig den Deutschen (804-876) im Jahr 873 sind
vermutlich Fälschungen. Auch der Zusammenhang zwischen der sog. Hohenschanze
(der fränkischen Burg) bei Winzenburg und der Gründung des Stiftes ist unsicher.
Die Siedlung Lamspringe bestand wahrscheinlich bereits vor der Stiftsgründung, da sie am
Pass der Heeresstraße (Mittelmeer - Nordsee) lag. Der Ausbau der Siedlung setzte jedoch
erst nach der Gründung des Stiftes ein. Denn erst durch die Niederlassung von
Tagelöhnern und Klosterdienern sowie durch den Zuzug von Siedlern aus den umliegenden
Ortschaften, die Schutz in der Nähe des Stiftes suchten, hatte sich die Siedlung
entwickeln können.
Während des Mittelalters hatte sich der Besitz des Klosters in der Umgebung von
Lamspringe, im Calenberger und im Schaumburger Raum durch Schenkungen erheblich
vergrößert. Die wirtschaftliche Förderung des Klosters geht besonders auf die
Provisoren und Pröpste zurück, die sich während des 12. Jahrhunderts sogar der
Gerichtsbarkeit des Archidiakonates Bockenem entziehen und einen selbständigen Bann
mit Unterstützung des Bischofs aufbauen konnten. Die Klosterkirche St. Hadrian war Ende
des 12. Jahrhunderts (1178) somit auch Haupt- und Taufkirche des gleichnamigen Bannes,
wobei das Kloster die Patronatsrechte über die Gotteshäuser in Illede, Graste und
Rolveshagen besaß.
Im Amt Winzenburg gelangte das Kloster Lamspringe nach der Hildesheimer Stiftsfehde
(1519-1523) an das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. Dort waren zunächst die kath.
Religionsverhältnisse durch Herzog Heinrich d. J. gesichert worden. Nach der Vertreibung
des Herzogs im Jahre 1542 durch den Schmalkaldischen Bund wurde eine Kirchenvisitation auf
Initiative der ev. Bundesgenossen durchgeführt. Der Visitation trat besonders die Priorin
des Klosters, Gesa von Steinberg, entgegen, die sich auf die Unterstützung des
stiftshildesheimischen kath. Adels berufen konnte. Neben dem Einsatz eines luth.
Prädikanten verlangten die Visitatoren auch die Aufgabe des kath. Kultus im Kloster.
Diese Maßgaben wurden nach der Rückkehr des kath. Herzogs 1547 in sein Land aufgehalten
und zurückgedrängt. Erst nachdem Herzog Julius II., ein überzeugter Lutheraner, die
Regierung übernommen hatte, mussten im Jahre 1568 die Nonnen das Benediktinerinnenkloster
endgültig verlassen. Sodann wurde 1568 der Versuch unternommen, das Kloster Lamspringe in
ein ev. Damenstift umzuwandeln.
Auf der Grundlage des kaiserlichen Restitutionsediktes von 1629 erfolgte jedoch im Jahre
1643 auch die Rückgabe des Klosters an den Hildesheimer Bischof; das leerstehende Kloster
wurde mit englischen Benediktinermönchen besetzt. Dies war u. a. durch
die Bursfelder Kongregation möglich geworden; denn infolge der Zwangspolitik des
englischen Königs Heinrich VIII. (1491-1547) gegen die kath. Kirche hatten die
Ordensbrüder 1628 ihr Land verlassen müssen.
Das baufällig gewordene Kloster wurde in den Jahren 1670-1691 neu erbaut. Wie andere
Feldklöster im Bistum wurde es bald Missionszentrale für die umliegenden
Ortschaften.
Durch die Freundschaft des Lamspringer Abtes Maurus Corker zu Oliver Plunkett
waren die sterblichen Überreste des 1681 in London hingerichteten Primas von Irland und
Bischof von Armagh in der Klosterkirche 1683 beigesetzt worden. Während 1883 seine
Gebeine zum größten Teil nach England zurückgebracht wurden, verblieb ein kleiner Teil
in Lamspringe. Bereits vor seiner Seligsprechung 1920 und Heiligsprechung 1975 wurde St.
Oliver dort sehr verehrt.
Mit den englischen Benediktinermönchen hatte im 17. Jahrhundert eine Renaissance
der seelsorglichen und wirtschaftlichen Blütezeit des Klosters Lamspringe begonnen, von
der auch der Flecken profitierte. Im Jahr 1689 bestätigte Fürstbischof Jobst Edmund von
Brabeck (1688-1702) die alten und neuen Fleckenprivilegien von Lamspringe (freie Schenke,
Braurecht, Fischereirecht und zweimal jährlich Jahrmarkt). Im Verlauf der kath. Reform
konnte die Gemeinde nicht vollständig rekatholisiert werden.
Im Jahr 1803 wurde durch den Reichsdeputationshauptschluß das Benediktinerkloster in
Lamspringe säkularisiert; der Orden musste das Kloster räumen, die Gebäude und
Liegenschaften wurden Eigentum des Staates. Die Verwaltung der Klostergüter übernahm die
Klosterkammer in Hannover. Auch die St. Hadrianskirche wurde Eigentum des Staates,
wenngleich sie den Katholiken als Pfarrkirche zur Verfügung gestellt wurde. Die
Säkularisation hatte in Lamspringe nicht zur Aufhebung der Pfarrei geführt, dort
übernahm vielmehr im Jahr 1827 ein Weltgeistlicher die Pfarrleitung. Mit der
Säkularisation war jedoch der Zirkel Lamspringe aufgehoben worden, so dass St. Hadrian
1838 dem Dekanat Winzenburg und 1895 dem Dekanat Detfurth angeschlossen wurde. Seit 1958
gehörte die Pfarrei zum Dekanat Alfeld-Gronau. Nach der Zusammenlegung der Dekanate
Alfeld-Gronau und Bockenem-Detfurth im Dezember 2002 gehört die Pfarrei nun zum neu
errichteten Dekanat Alfeld-Detfurth.
Im 18.-19. Jahrhundert gab es in Lamspringe neben der Glashütte Brauereien, die
Holzwirtschaft im ehemaligen Klosterforst, Flachsspinnereien und Leinewebereien. Die
Industrialisierung in diesen Manufakturbereichen führte auch hier zu einem erheblichen
Bevölkerungszuwachs. Nach Lamspringe waren besonders Tagelöhner hinzugezogen. Auch die
kath. Gemeinde wuchs daher an. Im Jahre 1854 wurde die Anstellung einer zweiten Lehrkraft
für die kath. Bekenntnisschule notwendig, 1858 musste ein neues Friedhofsgelände
erschlossen werden. Die caritativen Hilfsleistungen in der Krankenpflege hatte ab 1920 der
Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul übernommen. Durch den Kauf des
späteren St. Oliver-Hauses hatten die Schwestern ab 1927 eine Pflegestation
in Lamspringe einrichten können.
Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933
kam es auch in Lamspringe häufig zu Konfrontationen der Pfarrei mit den staatlichen
Behörden, die letztlich im Jahre 1938 die kath. Bekenntnisschule auflösten.
Nach Kriegsende ließen sich viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge in Lamspringe
nieder; es waren hauptsächlich evangelische Christen. Da nach Kriegsende die Gründung
von Industrieunternehmen ausblieb, wanderten zahlreiche junge Familien in die
Industriestädte Hannover, Hildesheim und Alfeld ab. Für die in Lamspringe verbleibenden
Gemeindemitglieder war erst nach dem Ausbau des Schienen- und Straßennetzes ein
intensiver Pendlerverkehr in die benachbarten Städte und Gemeinden möglich. Die
Wirtschaftsförderung ist für die Samtgemeinde mit ihrer Randlage zu den Einzugsgebieten
Hannover, Hildesheim und Alfeld ein Problembereich. Da die Neuansiedlung von Betrieben
ausbleibt, ist das Arbeitsplatzangebot auf die ortsansässigen mittelständischen Betriebe
beschränkt. Die Samtgemeinde Lamspringe sieht ihre Möglichkeit zur Weiterentwicklung
neben dem Kurbetrieb im Kultur- und Wohnbereich. Die Pfarrgemeinde St. Hadrian umfasst
außer den Orten der Samtgemeinde noch drei Dörfer der Nachbargemeinden Bad Gandersheim
und Bockenem. Die 1950 wieder eingerichtete Kaplansstelle konnte ab 1961 nicht besetzt
werden. Die Pfarrkirche wird der Gemeinde von der Klosterkammer Hannover zur Verfügung
gestellt, die auch die Baulast trägt.